Rodewisch wurde als "Redewisch" im Jahre 1411 erstmals urkundlich erwähnt. Die genaue Bedeutung des Ortsnamens ist noch nicht genau geklärt - am wahrscheinlichsten ist der Ursprung "gerodete Wiese" aus "roden" und "wisch" (Wiese). Eine weitere Deutung, bezugnehmend auf das Stadtwappen, wäre "der rode Wisch" (das rote Tuch) - dies geht auf eine Sage zurück. Bei der Schaffung des Stadtwappens im Jahre 1924 wurden die Kegel und das rote Tuch aus dieser Sage als Basis verwendet, nachdem kein anderes Sinnbild gefunden wurde. Außerdem wird alljährlich am Kirmesdienstag das rote Tuch zum Andenken an diese Sage ausgekegelt. Daher ist Rodewisch auch die einzige Stadt in Deutschland (lt. verschiedener Quellen), in deren Stadtwappen Kegel verewigt sind.

Der Rittersitz Göltzsch war der Ausgangspunkt für die Besiedlung. Dieser Rittersitz war befestigt und mit einem Schutzgraben umgeben. Die Anlage wurde 1924 bis 1928 wieder in den ürsprünglichen Zustand versetzt und beherbergt heute das Heimatmuseum der Stadt Rodewisch und das renovierte Schlößchen aus dem 15. Jahrhundert.

Rodewischer Schlößchen Museum Göltzsch
Schlößchen Museum Göltzsch

Im Jahre 1602 entstanden drei Rittergüter - Ober- und Untergöltzsch sowie Niederauerbach - durch Erbteilung der Edlen von der Planitz. Diese drei Güter besaßen eine eigene Gerichtsbarkeit. Eine einheitliche Gerichtsbarkeit entstand erst wieder im Jahre 1856, als ein Zusammenschluß der drei Rittergüter zur Gemeinde Rodewisch erfolgte.

Industriell wurde der Ort in früher Zeit durch einen Eisenhammer geprägt, der 1593 in Niederauerbach von Peter Ficker (kurfürstl. sächs. Floßmeister) erworben wurde. 1603 entstand daraus ein Messingwerk. Durch ein Privileg war dieses Werk fast 200 Jahre das einzige in ganz Kursachsen. Nach 321 Jahren wurde das Messingwerk im Jahre 1924 stillgelegt.

Seit 1736 gehört die im Stadtzentrum gelegene St.-Petri-Kirche zu den Wahrzeichen der Stadt. In der Kirche befand sich die Erbgruft der Familie von der Planitz.

Im 19. Jahrhundert siedelte sich die Textilindustrie in Rodewisch an. 1840 wurde am Wernesbach eine Streichgarnspinnerei von den Gebrüdern Lenk gegründet. Insgesamt existierten 25 Wäsche- und Weißwarenfabriken im Ort. Die bedeutendste war die Firma Friedrich von Lom; Teile der alten Fabrik im Zentrum Rodewischs beherbergen heute Unterrichtsräume und Verwaltung des Beruflichen Schulzentrums für Wirtschaft (ehem. Fachschule für Ökonomie).

Als städtische Einrichtungen wurden 1891 das Gaswerk, 1906 das Wasserwerk und 1910 das Elektrizitätswerk eingeweiht.

1893 wurde eine Landesheil- und Pflegeanstalt auf dem ehem. Rittergut Untergöltzsch eingeweiht, aus der das heutige Fachkrankenhaus für Psychatrie und Neurologie hervorging (gelbe Klinkerbauten, daher im Volksmund "die gelben Häuser" genannt). Oberhalb des ehem. Gutes Obergöltzsch entstand 1910 ein Siechenheim, das heutige Klinikum Rodewisch Obergöltzsch.

Der Anschluß an das sächsische Eisenbahnnetz erfolgte 1875 mit dem Bau der Strecke Falkenstein - Zwickau. 1913 wurde eine Kraftwagenhalle für 3 , später für 10 Omnibusse gebaut. Für diesen Zweck wurde das Gebäude bis in die heutige Zeit genutzt. Nachden es ca. 5 Jahre leer stand, wurde es im November 1998 abgerissen.

Eine für die damalige Zeit beachtliche Sportanlage wurde 1920 bis 1922 erbaut. Sie umfaßte ein 22.000 m² großes Freibad und verschiedene Sportstätten, so z.B. für Turn-, Reit,- Ruder-, Eislauf- und Tennissport. Daraus hervor ging das heutige Stadion der Fußballer des 1. FC Rodewisch. Leider verfiel das Freibad und stellt bis zum heutigen Tage eine traurige Ruine dar.

1937 fanden auf der Schloßinsel umfangreiche Ausgrabungen statt, in deren Verlauf eine Burganlage aus dem Mittelalter freigelegt wurde. Diese und weitere Funde sind im Museum Göltzsch zu besichtigen, das sich seit 1951 auf der Schloßinsel befindet. Burgruine auf der Schloßinsel

Am 8. Mai 1924 wurde die Gemeinde Rodewisch zur Stadt erhoben, nachdem die Einwohnerzahl auf ca. 10.000 angestiegen war.

Der zweite Weltkrieg stellte wie im gesamten Land einen tiefen Einschnitt im Leben der Bevölkerung dar. Durch Artilleriebeschuß und Tieffliegerangriffe waren in der Stadt Opfer und Schäden zu beklagen. Am 8. Mai 1945 besetzten die amerikanische Truppen Rodewisch.

Nach dem Krieg wurde der Grundstein für eine weitere, über die Grenzen der Stadt bekannte Einrichtung gelegt. Im Jahre 1950 wurde die Schulsternwarte auf dem Turm der Pestalozzischule eingeweiht.

1967 zog die Sternwarte in einen Neubau an der Rützengrüner Str. um. 1985 wurde sie um ein Planetarium erweitert.

Neubau der Sternwarte angeschlossenes Planetarium

Seit der Wende hat sich auch in Rodewisch einiges getan. Nachdem fast die gesamte Textilindustrie ihre Arbeit eingestellt hatte, wurden einige Fabriken abgerissen und dafür Wohn- und Geschäftshäuser bzw. Einkaufsmärkte errichtet. Ausgedehnte Wohngebiete wurden neu erschlossen. Ein Golfübungsplatz entstand neben dem alten Freibad und eine Großraumdisko eröffnete in den Räumen der alten Mensa des Schulzentrums für Wirtschaft. Am 30.09.2000 wurde das neue Feuerwehrgerätehaus der FFW Rodewisch eingeweiht.

Heute leben ca. 8700 Einwohner in Rodewisch.

Städtepartnerschaften und Städtefreundschaften:

Langenhagen (D) Gerolzhofen (D) Winnenden/ Baden-Württemberg (D) De Lier (NL)
www.langenhagen.de www.gerolzhofen.de www.winnenden.de www.delier.nl